Der libanesisch-venezolanische bildende Künstler und Bildhauer Mazen Hmeidan, bekannt unter dem Künstlernamen Mr. Tube, zählt zu den zeitgenössischen Positionen, die den abstrakten Kunstdiskurs durch die Verwendung von Geometrie als erkenntnistheoretisches und symbolisches System erweitern. Seine künstlerische Praxis basiert auf einer visuellen Sprache aus einfachen geometrischen Formen und präzisen Linien, mit dem Ziel, die Beziehung zwischen visueller Wahrnehmung und menschlichem Bewusstsein zu erforschen und dabei Kunst, Wissenschaft und symbolisches Denken miteinander zu verbinden.
Hmeidan absolvierte ein postgraduales Diplom in Bildender Kunst an der Libanesischen Universität sowie ein Bachelorstudium in Bildender Kunst und Politikwissenschaft. Diese interdisziplinäre Ausbildung prägte seinen künstlerischen Ansatz nachhaltig und verbindet ästhetische Sensibilität mit analytischem Denken.
In seiner frühen künstlerischen Entwicklung wurde er maßgeblich durch die Künstler Fawzi Baalbaki (1997–1999) und Aref El Rayess (2000–2005) beeinflusst. Diese Phase stärkte insbesondere sein Interesse an der konzeptuellen Struktur des Kunstwerks sowie an der Beziehung zwischen Form und Bedeutung.
Seit 2007 lebt der Künstler in Venezuela. Der kulturelle Austausch zwischen unterschiedlichen geografischen und sozialen Kontexten trug wesentlich zur Ausbildung einer transkulturellen visuellen Sprache in seinem Werk bei.
Das Werk Hmeidans bewegt sich im Spannungsfeld geometrischer Abstraktion und Op Art. Seine Kompositionen basieren auf elementaren Formen wie Kreis, Quadrat, Dreieck und Pyramide, die nicht dekorativ eingesetzt werden, sondern als symbolische Bausteine einer visuellen Ordnung fungieren, die der Künstler als Ausdruck eines „universellen Geistes“ versteht.
Charakteristische Merkmale seiner Arbeiten sind:
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präzise Linienführung und mathematisch ausbalancierte Kompositionen
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Farbe als wahrnehmungssteuerndes Element
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visuelle Spannung zwischen Ordnung und Chaos
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optische Illusionen, die Bewegung und Transformation suggerieren
Trotz der Verwendung traditioneller Materialien wie Acryl auf Leinwand erzeugt die technische Präzision seiner Werke eine Ästhetik, die an digitale Bildwelten erinnert und klassische Malerei mit zeitgenössischer visueller Sprache verbindet.
Hmeidans künstlerische Vision speist sich aus verschiedenen intellektuellen und kulturellen Quellen, darunter:
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Heilige Geometrie und natürliche Ordnungsprinzipien
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Numerologie und symbolische Systeme
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esoterische Wissenschaften
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antike Zivilisationen, insbesondere Ägypten
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Wahrnehmungswissenschaft und Farbtheorie
Reisen, insbesondere nach Tibet und Ägypten, vertieften sein Verständnis von Raum, Licht und architektonischer Symbolik. Diese Erfahrungen spiegeln sich im rhythmischen Aufbau und in der strukturellen Organisation seiner Werke wider.
Im Zentrum seines künstlerischen Projekts steht die Idee, dass Kunst als Brücke zwischen physischer Realität und metaphysischer Dimension wirken kann. Geometrische Formen fungieren dabei als Werkzeuge zur Darstellung unsichtbarer Kräfte, die Ordnung und Existenz strukturieren.
Durch das Zusammenspiel von Farbe, Geometrie und optischen Phänomenen entsteht eine dynamische Wahrnehmungserfahrung, die den Betrachter aktiv einbezieht. Das Kunstwerk wird somit zu einem Erkenntnisraum, in dem Wahrnehmung, Illusion und Realität miteinander verschmelzen.
Mazen Hmeidan realisierte bislang sieben Einzelausstellungen und wurde 2004 mit dem Rachel-Corrie-Preis ausgezeichnet. Seine Werke befinden sich in öffentlichen und privaten Sammlungen in zahlreichen Ländern, darunter Libanon, Venezuela, Argentinien, Mexiko, Ägypten, Spanien, Tunesien, Syrien, die Vereinigten Staaten, die Schweiz und Kanada.
Zu seinen bedeutenden öffentlichen Arbeiten zählt die Skulptur Mr. Tube in Aley (Libanon). Weitere Werke befinden sich in staatlichen Institutionen und Ministerien sowie in internationalen Museen, darunter das Museum für Zeitgenössische Kunst in Coro (Venezuela) und das Famaillá-Museum in Tucumán im Norden Argentiniens.
Darüber hinaus ist Hmeidan Mitbegründer des Mr. Tube Prize in Venezuela und im Libanon, einer Initiative zur Würdigung herausragender Positionen der bildenden Kunst und zur Förderung des internationalen künstlerischen Dialogs.
Hmeidans Werk kann im Kontext zeitgenössischer Bestrebungen verstanden werden, Geometrie als universelle visuelle Sprache neu zu interpretieren. Seine Praxis verbindet das kulturelle Erbe antiker Zivilisationen mit modernen Wahrnehmungskonzepten und erweitert die Tradition geometrischer Abstraktion um eine philosophische und erkenntnistheoretische Dimension.
Seine Arbeiten überschreiten kulturelle und sprachliche Grenzen, indem grundlegende Formen zu universell lesbaren Symbolen werden.
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